Nomna

Bits über Vornamen

Unlesbare japanische Namen

Als ich mich mit japanischen Vornamen zu beschäftigen begann, stolperte ich schnell einmal über eine für mich fast unglaubliche Tatsache, die ich hier näher erläutern möchte.

Ich muss dazu etwas ausholen und mit der japanischen Schrift beginnen, oder wie man es nimmt mit einer der 3 japanischen Schriften, mit den sogenannten Kanji. Damit bezeichnet man die ursprünglich aus China importierten Schriftzeichen, von denen es viele Hundert gibt. Details hierzu findet man z.B. in der Wikipedia hier.

Japanische Namen, sowohl Vornamen wie Familiennamen, werden mit wenigen Ausnahmen mit Hilfe von Kanji geschrieben. Ein typischer kompletter japanischer Name besteht aus 4 solcher Zeichen.

Hier beginnt es nun langsam, interessant zu werden. Ein Kanji hat typischerweise mehrere sogenannte Lesungen: Wenn man ein Zeichen geschrieben sieht, kann man es auf verschiedene Arten „lesen“.

Ich versuche das an folgendem Beispiel zu zeigen, das nicht genau mit dem übereinstimmt, was bei den Kanji der Fall ist (Details hierzu siehe z.B. hier), aber es soll zur Illustration genügen. Kanji sind so etwas wie Symbole, und deshalb besteht mein Beispiel aus folgenden zwei Symbolen, die Ihnen bekannt sein dürften:
Symbole

Die Symbole haben keine eindeutige „Lesung“. Man kann das erste Symbol sowohl als Achtung wie auch als Vorsicht lesen; beides geht, beides macht Sinn, das Symbol selbst gibt keiner dieser beiden Lesungen eindeutig den Vorzug. Das zweite Symbol kann man als Hospital, als Spital (sozusagen in „Fremdwort-Lesung“) oder auch als Krankenhaus (in „Deutsch-Lesung“) lesen.

Man kommt so in Kombination auf insgesamt 6 mögliche Lesungen.

Ganz ähnlich ist es nun mit japanischen Vornamen. Ein Beispiel: Die zwei Kanji 美羽 führe ich auf meiner Seite mit japanischen Vornamen als Vorname Miu. Hier die Kanji als Bild, falls Sie keine japanische Schrift installiert haben:
Miu

Ein gutes japanisches Wörterbuch, das man hier findet, gibt zu 美羽 nicht nur den einen Vornamen Miu aus, sondern zudem noch Miwa, Uruha, Miha, Mihane, Myuu, Mireha und Yoshiha.

Wenn Ihnen also eine Japanerin ihre Visitenkarte in die Hand drückt, und dort 美羽 als Vorname steht, wissen Sie immer noch nicht, wie die gute Frau heisst, selbst wenn Sie perfekt Kanji lesen können. Sie können Vermutungen anstellen, weil nicht alle Lesungen gleich häufig sind, aber Sie können sich nicht sicher sein. Solange Ihnen die Frau ihren Vornamen nicht auch mündlich mitteilt, wissen Sie nicht, wie sie heisst!

In gewisser Weise sind japanische Namen also unlesbar. Erstaunlich, nicht wahr?

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April 9, 2010 Posted by | Uncategorized | | Hinterlasse einen Kommentar