Nomna

Bits über Vornamen

Alltagswort als Vorname

Es gibt Fälle, wo etwas sowohl als Vorname wie auch als ganz normales Wort im alltäglichen Gebrauch, als „Alltagswort“ eben, in Gebrauch ist. Ein Beispiel hierzu ist Jasmin: Das ist im Deutschen sowohl ein gebräuchlicher weiblicher Vorname wie auch die Bezeichnung einer Pflanze bzw. einer Blume. Ein anderes Beispiel ist August, wiederum als Vorname und natürlich als Name des Monats.

Wollte man nun fortfahren mit Beispielen aus dem Deutschen, würde man feststellen, das dies sehr schnell extrem schwierig wird. Es gibt im Deutschen nur eine Handvoll solcher Namen, und ich kann kein einziges Beispiel nennen, wo ein ganz „gewöhnliches“ einzelnes deutsches Wort wie etwa Sonne, Mond, Wolke, Held oder Mut als Vorname in Gebrauch wäre.

Als ich mich näher mit Vornamen aus anderen Sprachen und Kulturkreisen zu beschäftigen begann, fiel mir bald einmal auf, dass in dieser Beziehung enorme Unterschiede zum Deutschen bestehen. Die Sprecher einiger Sprachen scheinen viel weniger Hemmungen zu haben, Alltagswörter auch als Vornamen zu verwenden.

Man braucht nicht weit zu gehen, um das zu sehen: Im Englischen sind Namen wie Cherry, Crystal, Destiny, Prince oder auch Justice überhaupt kein Problem.

Wie man in meinem „Specials“ über albanische, philippinische und malaiische Vornamen sehen kann, gibt es in diesen 3 Sprachen jede Menge solcher Alltagswörter-Namen, wenn sie auch zum Teil aus der Mode sind oder zumindest auf dem Weg dorthin.

Wie man in einem früheren Blog-Eintrag nachlesen kann, gab es einmal eine Zeit, wo man auch im Deutschen (bzw. in seinen Vorgänger-Sprachen) munter Alltagswörter beim Bilden von Vornamen verwendete, aber eben immer jeweils zwei Wörter: Wolfgang, mit dem Wolf drin, aber eben nicht nur Wolf alleine.

Es wäre interessant, die Gründe zu kennen, warum Deutschsprechende Alltagswörter als Vornamen so stark meiden, aber ich habe im Moment keine gute Idee, in welcher Richtung man solche Gründe suchen müsste.

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September 26, 2010 Posted by | Uncategorized | | 5 Kommentare

Hadburga ans Telefon bitte

Es gibt eine unglaubliche Menge deutscher Namen, an denen eigentlich alles in Ordnung ist, bis auf die Tatsache, dass heute kaum mehr jemand so heisst: Es sind Namen, die zum Teil schon vor 100 Jahren so aus der Mode waren, dass damals höchsten noch die Grossmutter so hiess.

Die Menge dieser Namen machte mir beim Aufbau meiner Vornamen-Datenbank schwer zu schaffen, denn ich konnte einfach nicht alle bewältigen. Ich versuchte mich deshalb auf Namen zu konzentrieren, die in Frage kommen für Kinder, die heute geboren werden, oder die zumindest heute noch eine nennenswerte Verbreitung unter lebenden Personen haben. Ich prüfe bis heute jeden neu angetroffenen Namen schnell per Google und sehe mir die Suchresultate kritisch an.

Bei der Prüfung von Namen wie Hadburga, Otlinde, Erkentraud, Fraukeline oder Richhilde stiess ich auf eine lustige Sache, die ich weitergeben möchte: Eine Schweizer Website, auf der Frauen „bestimmte“ Dienste anbieten, fand sich fast konstant irgendwo unter den Suchresultaten bei solchen Namen. Es scheint sich da jemand einen Spass daraus gemacht zu haben, bei der Vergabe von Pseudonymen für die hübschen Damen auf einen grossen Schatz guter alter deutscher Namen zurückzugreifen.

Einen Link zu besagter Website gibt’s hier nicht, der wäre mir auch zu heikel, aber Sie wissen ja nun, wie Sie bei Bedarf hinfinden…

Eine etwas ernstere Sache ist mir dabei auch aufgefallen: Einige Vornamen-Websites für deutsche Namen scheinen sich wenig Mühe gemacht zu haben, zu einem einigermassen modernen Vornamen-Bestand zu kommen, und die angebotenen Informationen lassen oft nicht erkennen, wie „aktuell“ einzelne Namen sind.

Natürlich möchte man gelegentlich wissen, was der Name der Ururgrossmutter bedeutet, auf den man bei der Ahnenforschung gestossen ist. Bei vielen dieser Websites sieht man allerdings schon an der ganzen Aufmachung, dass sie sich primär an werdende Eltern wenden. Diese der Gefahr auszusetzen, einen Vornamen zu erwischen, der für ein mittelalterliches Burgfräulein prima gepasst hätte, aber heute wohl dazu führt, dass das Kind in der Schule wegen seines Namens gehänselt wird, finde ich eigentlich nicht so toll.

Juni 18, 2010 Posted by | Uncategorized | , | Hinterlasse einen Kommentar

Dreimal Hits auf Deutsch

Als ich damit begann, mich mit Vornamen-Hitparaden zu beschäftigen, hatte ich die Erwartung, dass es zwischen Deutschland, Österreich und dem deutschsprachigen Teil der Schweiz grosse Übereinstimmungen gibt. Ich nahm an, es habe sicher einen grossen Einfluss darauf, welche Namen gerade „in Mode“ sind, dass man in diesen 3 Ländern bzw. Gebieten eine gemeinsame Sprache spricht, häufig dieselben Bücher liest, dieselben Serien sieht im Fernsehen und dieselben Filme im Kino, usw.

Ich war deshalb sehr überrascht, als ich zum ersten Mal die jeweils beliebtesten Vornamen für Neugeborene eines Jahres miteinander verglich, und grosse Unterschiede vorfand: Bei gewissen Namen schien man sich in deutschsprachigen Landen überhaupt nicht einig zu sein, ob sie gerade „cool“ seien oder eben nicht!

Für die folgenden Beispiele greife ich für Deutschland nicht auf die „offizielle“ Hitparade zurück, die man hier findet, weil diese erstens nur die 10 Top-Namen listet und zweitens mit einem methodischen Mangel behaftet ist, den ich in meinem Blog-Eintrag Wo sind all die Marias? erläutert habe. Stattdessen greife ich auf diese Liste zurück, welche beide Probleme nicht hat. (Ich bedanke mich beim Autor Knud Bielefeld für die Erlaubnis, diese Liste hier zu verwenden und in Auszügen wiederzugeben.)

Also: 2008 stand Tobias in Österreich auf Platz 2, in Deutschland aber nur auf Platz 45, und in der Deutschschweiz schaffte er es nicht unter die ersten 50. Oder umgekehrt: Finn, die Nummer 5 Deutschland 2008 (zusammen mit Fynn), schaffte es in der Schweiz gerade mal auf Platz 47, und in Österreich fand er sich nicht unter den ersten 60.

Folgende Liste vergleicht die Platzierungen der 20 beliebesten deutschen Mädchennamen des Jahres 2008 mit denjenigen in der Deutschschweiz (Spalte CH) und Österreich (Spalte AT. Eine positive Zahl bedeuten, dass der Name in Deutschland höher platziert ist, also z.B. Mia in Deutschland 34 Ränge höher als in Österreich. Eine negative Zahl bedeutet entsprechend, um wieviel tiefer der Name in Deutschland platziert ist. Ein Strich bedeutet, dass der Name nicht unter den ersten 60 österreichischen oder den ersten 50 deutschschweizer Namen zu finden ist. (Gerade die hohe Anzahl Striche ist für mich erstaunlich.)

Die in der Hitparade für Deutschland zusammengefassten Namen, welche die beiden anderen Hitparaden als separate Namen aufführen und zählen, sind mit Buchstaben im Rang gekennzeichnet.

Rang DE Name CH AT
1 a Hannah 3
1 b Hanna
2 a Leonie 2 -1
2 b Leoni
3 a Lea 7 10
3 b Leah
4 Lena -2 1
5 Mia 8 34
6 Anna 1 -3
7 a Emilie
7 b Emily 18
8 Lara -7 2
9 Laura -4
10 a Sarah 2 -8
10 b Sara -7
11 Emma 18 8
12 a Lilli
12 b Lilly 34
12 c Lili
13 Marie 2
14 Lina 7 39
15 a Maja 42
15 b Maya
16 Johanna -5
17 a Sophie 1 -10
17 b Sofie
18 a Nele
18 b Neele
19 a Sophia 7 -2
19 b Sofia 18
20 Amelie 4

Wer selbst etwas weiter vergleichen möchte, findet die Listen für Österreich hier, und diejenigen für die Schweiz hier.

Mai 16, 2010 Posted by | Uncategorized | , , , | Hinterlasse einen Kommentar