Nomna

Bits über Vornamen

Kämpft Kunigunde für ihre Sippe?

Zahlreiche deutsche Namen wurden durch Zusammenfügen zweier Wörter gebildet. Bei Kunigunde z.B. waren das die beiden althochdeutschen Wörter kunni = „Sippe“ und gund = „Kampf“. Man nennt solche Namen zweigliedrige oder mit Fachbegriff auch dithematische Namen.

Wie dieser Artikel (leider ohne Quellenangabe) beschreibt, geht dieses Namensbildungs-Muster über das Deutsche hinaus und kommt in vielen indoeuropäischen Sprachen vor. So ist etwa der russische Wladimir ebenso ein zweigliedriger Name.

Lange Zeit wurden die beiden Wörter so gewählt, dass die Zusammensetzung wiederum einen bestimmten Sinn ergab. Wie man hier über den Namen Ludwig nachlesen kann, sollen wahrscheinlich seine beiden Bestandteile hlut = „berühmt“ und wig = „Kampf“ tatsächlich die Aussage machen, dass der Namensträger „im Kampf berühmt“ oder „durch Kampf berühmt“ sei.

Aber irgendwann einmal waren den Leuten Bedeutungen nicht mehr so wichtig (oder sie verstanden die Bedeutung der teilweise uralten Namensbestandteile gar nicht mehr), und sie kombinierten nach anderen Kriterien, z.B. dem Klang des resultierenden Namens.

Es ist darum bei einem zweigliedrigen Namen wie Kunigunde sehr schwierig bis unmöglich, mit Sicherheit zu beurteilen, ob nun die beiden Namensbestandteile zusammen einen Sinn ergeben sollen (hier dann wohl „Kämpferin für ihre Sippe“, wie z.B. diese Vornamen-Website angibt), oder ob einfach jemand fand, Kunigunde töne noch gut, Sippe und Kampf hin oder her.

Viele Werke über Vornamen, z.B. auch der Vornamen-Duden, geben nur bei klarer Informationslage eine Bedeutung der Zusammensetzung (Wolfgang = „Wolfsgänger“, d.h. Krieger in Tierverkleidung), lassen sich aber sonst nicht auf die Äste hinaus und geben einfach die beiden Namensbestandteile an.

Wenn Sie auf der Suche nach einem Namen für Ihr Kind sind und einen zweigliedrigen Namen in Betracht ziehen, ist es darum vielleicht keine gute Idee, sich allzu sehr auf eine beeindruckende „Bedeutung“ abzustützen, denn diese könnte sprachgeschichtlich gesehen ein reines Phantom sein.

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Mai 9, 2010 - Posted by | Uncategorized |

1 Kommentar »

  1. […] man in einem früheren Blog-Eintrag nachlesen kann, gab es einmal eine Zeit, wo man auch im Deutschen (bzw. in seinen […]

    Pingback von Alltagswort als Vorname « Nomna | September 26, 2010 | Antwort


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