Nomna

Bits über Vornamen

Unschreibbare Namen

Die Geschichte, welche dieser Blog-Eintrag erzählt, beginnt mit dem russischen Wort für Hoffnung, das in Russland zugleich als weiblicher Vorname in Gebrauch ist, weshalb das eine Geschichte ist, die zu einem Blog über Vornamen passt.

Ich würde nun gerne dieses russische Wort für Sie hinschreiben, aber das geht nicht, weil ich hier lateinische Buchstaben verwende, die Russen aber kyrillische Buchstaben, und das seit Jahrhunderten. Strenggenommen kann man kein einziges russisches Wort so schreiben, dass es jeder hier in Europa einfach so lesen kann, also auch Hoffnung nicht. In gewisser Weise sind also, wie es der Titel meines Blog-Eintrags etwas provokant behauptet, Wort und somit auch Name „unschreibbar“ für uns.

Mittlerweile sind Computer ziemlich international, und mit etwas Glück kann Ihrer das entsprechende kyrillisch geschriebene Wort, nämlich надежда, auch darstellen, so dass Sie es sich zumindest einmal anschauen können. Auf dieser Wiktionary-Seite können Sie sich das Wort auch anhören, als kurzes Audio-Schnippsel.

Man kann natürlich das, was man hört, wenn jemand aus Russland dieses Wort ausspricht, durchaus in lateinischen Buchstaben aufschreiben. Schreiben wir also etwas hin, was ein Sprecher von Deutsch in etwa so lesen und aussprechen würde, wie es jemand in Russland tut, wenn er надежда vorliest, und landen so bei Nadjeschda. (Mehr zu solchen „Schreibübungen“ findet man unter dem Stichwort Transkription z.B. hier.)

Nadjeschda scheint den Leuten gefallen zu haben, und man hat in Deutschland irgendwann einmal begonnen, den russischen Vornamen so geschrieben ebenfalls zu verwenden. Noch erfolgreicher war allerdings Надя, was in Russland eine Kurzform des Namens ist und was man in Deutsch üblicherweise als Nadja umschreibt.

Also alles bestens? Nicht ganz. Schon im Deutschen ist man sich mit der Umschreiberei nicht ganz einig, denn neben Nadjeschda gibt es auch noch den Namen Nadeschda, und Nadja gibt es auch als Nadia.

Richtig lustig wird es aber, wenn wir die Sprache wechseln. Nicht nur den Deutschen, sondern auch den Engländern und Amerikanern hat der Name gefallen. Sie schreiben allerdings etwas anderes dafür, nämlich Nadezhda. Sprecher von Englisch lesen eben anders, und wenn die unser Nadjeschda zu lesen versuchen, kommt wohl nichts Brauchbares heraus, aber die Buchstabenkombination zh in Nadezhda werden sie höchstwahrscheinlich wie gewünscht als „sch“ wiedergeben. Im Detail findet man diese englische Transkription hier dargestellt.

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Mai 21, 2010 Posted by | Uncategorized | | Hinterlasse einen Kommentar

Dreimal Hits auf Deutsch

Als ich damit begann, mich mit Vornamen-Hitparaden zu beschäftigen, hatte ich die Erwartung, dass es zwischen Deutschland, Österreich und dem deutschsprachigen Teil der Schweiz grosse Übereinstimmungen gibt. Ich nahm an, es habe sicher einen grossen Einfluss darauf, welche Namen gerade „in Mode“ sind, dass man in diesen 3 Ländern bzw. Gebieten eine gemeinsame Sprache spricht, häufig dieselben Bücher liest, dieselben Serien sieht im Fernsehen und dieselben Filme im Kino, usw.

Ich war deshalb sehr überrascht, als ich zum ersten Mal die jeweils beliebtesten Vornamen für Neugeborene eines Jahres miteinander verglich, und grosse Unterschiede vorfand: Bei gewissen Namen schien man sich in deutschsprachigen Landen überhaupt nicht einig zu sein, ob sie gerade „cool“ seien oder eben nicht!

Für die folgenden Beispiele greife ich für Deutschland nicht auf die „offizielle“ Hitparade zurück, die man hier findet, weil diese erstens nur die 10 Top-Namen listet und zweitens mit einem methodischen Mangel behaftet ist, den ich in meinem Blog-Eintrag Wo sind all die Marias? erläutert habe. Stattdessen greife ich auf diese Liste zurück, welche beide Probleme nicht hat. (Ich bedanke mich beim Autor Knud Bielefeld für die Erlaubnis, diese Liste hier zu verwenden und in Auszügen wiederzugeben.)

Also: 2008 stand Tobias in Österreich auf Platz 2, in Deutschland aber nur auf Platz 45, und in der Deutschschweiz schaffte er es nicht unter die ersten 50. Oder umgekehrt: Finn, die Nummer 5 Deutschland 2008 (zusammen mit Fynn), schaffte es in der Schweiz gerade mal auf Platz 47, und in Österreich fand er sich nicht unter den ersten 60.

Folgende Liste vergleicht die Platzierungen der 20 beliebesten deutschen Mädchennamen des Jahres 2008 mit denjenigen in der Deutschschweiz (Spalte CH) und Österreich (Spalte AT. Eine positive Zahl bedeuten, dass der Name in Deutschland höher platziert ist, also z.B. Mia in Deutschland 34 Ränge höher als in Österreich. Eine negative Zahl bedeutet entsprechend, um wieviel tiefer der Name in Deutschland platziert ist. Ein Strich bedeutet, dass der Name nicht unter den ersten 60 österreichischen oder den ersten 50 deutschschweizer Namen zu finden ist. (Gerade die hohe Anzahl Striche ist für mich erstaunlich.)

Die in der Hitparade für Deutschland zusammengefassten Namen, welche die beiden anderen Hitparaden als separate Namen aufführen und zählen, sind mit Buchstaben im Rang gekennzeichnet.

Rang DE Name CH AT
1 a Hannah 3
1 b Hanna
2 a Leonie 2 -1
2 b Leoni
3 a Lea 7 10
3 b Leah
4 Lena -2 1
5 Mia 8 34
6 Anna 1 -3
7 a Emilie
7 b Emily 18
8 Lara -7 2
9 Laura -4
10 a Sarah 2 -8
10 b Sara -7
11 Emma 18 8
12 a Lilli
12 b Lilly 34
12 c Lili
13 Marie 2
14 Lina 7 39
15 a Maja 42
15 b Maya
16 Johanna -5
17 a Sophie 1 -10
17 b Sofie
18 a Nele
18 b Neele
19 a Sophia 7 -2
19 b Sofia 18
20 Amelie 4

Wer selbst etwas weiter vergleichen möchte, findet die Listen für Österreich hier, und diejenigen für die Schweiz hier.

Mai 16, 2010 Posted by | Uncategorized | , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Kämpft Kunigunde für ihre Sippe?

Zahlreiche deutsche Namen wurden durch Zusammenfügen zweier Wörter gebildet. Bei Kunigunde z.B. waren das die beiden althochdeutschen Wörter kunni = „Sippe“ und gund = „Kampf“. Man nennt solche Namen zweigliedrige oder mit Fachbegriff auch dithematische Namen.

Wie dieser Artikel (leider ohne Quellenangabe) beschreibt, geht dieses Namensbildungs-Muster über das Deutsche hinaus und kommt in vielen indoeuropäischen Sprachen vor. So ist etwa der russische Wladimir ebenso ein zweigliedriger Name.

Lange Zeit wurden die beiden Wörter so gewählt, dass die Zusammensetzung wiederum einen bestimmten Sinn ergab. Wie man hier über den Namen Ludwig nachlesen kann, sollen wahrscheinlich seine beiden Bestandteile hlut = „berühmt“ und wig = „Kampf“ tatsächlich die Aussage machen, dass der Namensträger „im Kampf berühmt“ oder „durch Kampf berühmt“ sei.

Aber irgendwann einmal waren den Leuten Bedeutungen nicht mehr so wichtig (oder sie verstanden die Bedeutung der teilweise uralten Namensbestandteile gar nicht mehr), und sie kombinierten nach anderen Kriterien, z.B. dem Klang des resultierenden Namens.

Es ist darum bei einem zweigliedrigen Namen wie Kunigunde sehr schwierig bis unmöglich, mit Sicherheit zu beurteilen, ob nun die beiden Namensbestandteile zusammen einen Sinn ergeben sollen (hier dann wohl „Kämpferin für ihre Sippe“, wie z.B. diese Vornamen-Website angibt), oder ob einfach jemand fand, Kunigunde töne noch gut, Sippe und Kampf hin oder her.

Viele Werke über Vornamen, z.B. auch der Vornamen-Duden, geben nur bei klarer Informationslage eine Bedeutung der Zusammensetzung (Wolfgang = „Wolfsgänger“, d.h. Krieger in Tierverkleidung), lassen sich aber sonst nicht auf die Äste hinaus und geben einfach die beiden Namensbestandteile an.

Wenn Sie auf der Suche nach einem Namen für Ihr Kind sind und einen zweigliedrigen Namen in Betracht ziehen, ist es darum vielleicht keine gute Idee, sich allzu sehr auf eine beeindruckende „Bedeutung“ abzustützen, denn diese könnte sprachgeschichtlich gesehen ein reines Phantom sein.

Mai 9, 2010 Posted by | Uncategorized | | 1 Kommentar

Unisex

Als ich begann, meine Vornamen-Datenbank aufzubauen, sah ich ohne gross zu überlegen eine strikte Gruppierung der Namen in männlich und weiblich vor: Jeder Name bekommt genau ein Geschlecht, eben männlich oder weiblich. In allen deutschsprachigen Ländern gibt es schliesslich eine lange und stark verwurzelte Tradition, für Männer nur „männliche“ und für Frauen nur „weibliche“ Vornamen zu verwenden. Zum Teil gibt es sogar Vorschriften für Standesämter, die verlangen, dass das Geschlecht aus dem Namen eines Kindes erkennbar sein muss, um eintragbar zu sein, bzw. dass ein nicht-eindeutiger Name nur zusammen mit einem zweiten eindeutigen zulässig ist.

Umso überraschter war ich deshalb, als ich mich mit Vornamen in den USA zu beschäftigen begann, denn dabei traf ich schnell einmal auf den Begriff unisex. Damit sind Namen gemeint, die sowohl für Männer wie auch für Frauen üblich sind. Man sehe sich z.B. die Vornamen-Suchfunktion dieser US-Website an: Neben male und female ist eben auch unisex quasi als drittes Geschlecht im Angebot (und ergibt zurzeit 119 Namen).

Ein beliebter Unisex-Name ist z.B. Angel: Weiblich findet man ihn in den US-Hitparaden der Namen Neugeborener der letzten Jahre so um Rang 150 herum, männlich um 40 herum. Weitere Namen, die in den Hitparaden der letzten 10 Jahre männlich und weiblich zugleich relativ weit nach vorne kamen, sind Casey, Dakota, Jamie, Jordan und Taylor. Hier hat jemand eine Liste der Top-Unisex-Namen der USA für 2005 erstellt.

Die hier erwähnten Unisex-Namen sind übrigens nicht zu verwechseln mit Fällen, wo es in zwei Sprachen oder Kulturkreisen gleich geschriebene Namen gibt, die nicht demselben Geschlecht zugeordnet sind. Die deutsche Andrea ist ein bekannter solcher Fall, denn im Italienischen gibt es den männlichen Andrea als Namensform von Andreas.

Mai 2, 2010 Posted by | Uncategorized | | Hinterlasse einen Kommentar