Nomna

Bits über Vornamen

Meine neuen Vornamen-Grafiken

Eine grosse Anzahl von Vornamen-Websites bieten Grafiken an zur Popularität von Namen von Neugeborenen. Allerdings sieht man kaum je etwas anderes als einfache Grafiken für einzelne Namen, wo meist der grösste Unterschied nur darin besteht, welcher Zeitraum abgedeckt wird und wie aktuell die Daten sind.

Ich nahm mir deshalb vor einiger Zeit vor, etwas Interessanteres und Vielseitigeres zu versuchen.

Das Resultat ist seit kurzem hier online: Interactive Name Popularity Graphs

Das ganze ist zwar auf Englisch statt auf Deutsch, aber wer auch ein bisschen Englisch kann, sollte sich trotzdem zurechtfinden – die Hauptsache sind schliesslich die Grafiken!

Das zentrale neue Element, das ich hier einbringe, ist der Vergleich: In meinen Grafiken sieht man jeweils nicht nur einen einzelnen Namen, sondern einen Namen plus seine Varianten, oder einen Namen in verschiedenen Ländern.

Zudem sind die Grafiken im Gegensatz zu den meisten anderen interaktiv: Man kann die Beliebtheitskurven anklicken und erhält dann die Platzierungen in einer Text-Box angezeigt.

Dezember 31, 2015 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Big Business

Vor einigen Jahren, als die Mehrzahl der Leute sich noch via Telefon ins Internet „einwählten“, ging eine Art Seuche namens Dialer durch’s Land: Es wurde für irgendwelche Informationsangebote im Internet geworben. Wollte man Zutritt, musste man nur ein kleines Programm installieren und dieses verwenden für die Einwahl. Das Problem: Die Verbindung ins Internet fand danach statt über sündhaft teure Spezial-Nummern, die mehrere Euros für jede Minute Verbindung kosteten. Eine genauere Beschreibung dieser Geschichte findet man z.B. in diesem Artikel aus dem Jahr 2005.

Will man mit solch zwielichtigen Methoden Geld verdienen, sucht man sich als Anbieter natürlich möglichst die Themen aus, die am attraktivsten sind: Je mehr Leute bestimmte Informationen begehren, umso mehr schnappen zu und müssen dann bluten. Deshalb war ich überrascht, als sich Vornamen als eine dieser grossen Attraktionen herausstellten und gleich mehrere Dialer-Websites zu diesem Thema eröffneten: Dass Informationen über Vornamen so begehrt sind, dass sich das Fischen nach Dialer-Opfern mit ihnen lohnt, hätte ich nicht gedacht.

Die Politik hatte es nach langem Hin und Her eben erst geschafft, der Dialer-Seuche mit strengeren und auch durchsetzbaren Gesetzen Herr zu werden, als die Karawane der „Abzocker“ im Zuge der technischen Entwicklung bereits weiterzog. Weil sich kaum mehr jemand ins Internet einwählen musste, sondern per ADSL ständig online war, liess man sich etwas Neues einfallen: Das Zeitalter der Abofallen begann. Und wie man anhand dieser Liste von 500 solcher Websites sehen kann, ist auch hier das Thema Vornamen gut vertreten.

Interessant in diesem Zusammenhang sind auch speziell attraktive Domain-Namen zum Thema. Unter der natürlich absolut traumhaften URL www.vornamen.com betrieb lange jemand eine ernsthafte und gut gemachte Website, die bei einer Google-Suche nach dem Stichwort Vornamen viele Monate lang scheinbar unverrückbar auf Platz 1 trohnte. Als der Betreiber sich quasi „zur Ruhe setzte“, verkaufte er Domain und Website an jemanden, der sich leider als nicht so seriös herausstellte. Heute findet man unter dem Namen wieder eine normale Website zum Thema, die mir aber auf jemanden zu warten scheint, der Geld in die Hand nimmt, um die Domain zu kaufen (auch wenn das nicht offen so ausgewiesen wird).

Unter der ebenfalls ausgezeichneten URL www.vornamen.de war auch eine Abofalle zu Hause, die offenbar unterdessen dichtgemacht hat.

Überhaupt muss man sich heute Mühe geben, um noch jemanden zu finden, der via Internet versucht den Leute ihr Geld aus der Tasche zu ziehen mit Vornamen als Thema. Dafür dürften eine Reihe von Faktoren verantwortlich sein: Leute, die schlauer geworden sind, Gesetze, die strenger geworden sind, und eine Menge guter Gratis-Angebote zum Thema Vornamen im Internet.

Oktober 24, 2010 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Alltagswort als Vorname

Es gibt Fälle, wo etwas sowohl als Vorname wie auch als ganz normales Wort im alltäglichen Gebrauch, als „Alltagswort“ eben, in Gebrauch ist. Ein Beispiel hierzu ist Jasmin: Das ist im Deutschen sowohl ein gebräuchlicher weiblicher Vorname wie auch die Bezeichnung einer Pflanze bzw. einer Blume. Ein anderes Beispiel ist August, wiederum als Vorname und natürlich als Name des Monats.

Wollte man nun fortfahren mit Beispielen aus dem Deutschen, würde man feststellen, das dies sehr schnell extrem schwierig wird. Es gibt im Deutschen nur eine Handvoll solcher Namen, und ich kann kein einziges Beispiel nennen, wo ein ganz „gewöhnliches“ einzelnes deutsches Wort wie etwa Sonne, Mond, Wolke, Held oder Mut als Vorname in Gebrauch wäre.

Als ich mich näher mit Vornamen aus anderen Sprachen und Kulturkreisen zu beschäftigen begann, fiel mir bald einmal auf, dass in dieser Beziehung enorme Unterschiede zum Deutschen bestehen. Die Sprecher einiger Sprachen scheinen viel weniger Hemmungen zu haben, Alltagswörter auch als Vornamen zu verwenden.

Man braucht nicht weit zu gehen, um das zu sehen: Im Englischen sind Namen wie Cherry, Crystal, Destiny, Prince oder auch Justice überhaupt kein Problem.

Wie man in meinem „Specials“ über albanische, philippinische und malaiische Vornamen sehen kann, gibt es in diesen 3 Sprachen jede Menge solcher Alltagswörter-Namen, wenn sie auch zum Teil aus der Mode sind oder zumindest auf dem Weg dorthin.

Wie man in einem früheren Blog-Eintrag nachlesen kann, gab es einmal eine Zeit, wo man auch im Deutschen (bzw. in seinen Vorgänger-Sprachen) munter Alltagswörter beim Bilden von Vornamen verwendete, aber eben immer jeweils zwei Wörter: Wolfgang, mit dem Wolf drin, aber eben nicht nur Wolf alleine.

Es wäre interessant, die Gründe zu kennen, warum Deutschsprechende Alltagswörter als Vornamen so stark meiden, aber ich habe im Moment keine gute Idee, in welcher Richtung man solche Gründe suchen müsste.

September 26, 2010 Posted by | Uncategorized | | 5 Kommentare

Die Sonne Malaysias

Seit einiger Zeit bin ich daran, eine Sammlung malaiischer Vornamen aufzubauen; den momentanen Stand kann man sich hier anschauen. Dabei habe ich festgestellt, dass es zwischen Malaysisch bzw. Indonesisch und Deutsch bei einzelnen Wörter überraschende Zusammenhänge gibt.

Bei den Namen, die ursprünglich aus Malaysia bzw. Indonesien selbst stammen, fällt auf, dass häufig ganz normale Alltagswörter auch als Vornamen verwendet werden. (Für jemanden, der Deutsch spricht, mag das vielleicht etwas befremdlich wirken, aber in einigen anderen Sprachen kommt das durchaus vor, so z.B. auch im Englischen, mit Vornamen wie Heaven, Hope oder Harmony.) Einer dieser Alltagswörter-Namen ist der weibliche Name Suria, zugleich das malaiische Wort für Sonne.

Weil es sonst zu solchen Namen nicht allzuviel zu sagen gibt, habe ich begonnen, der Herkunft der Wörter selbst nachzugehen. Tut man das für suria, landet man beim Wort surya aus dem Sanskrit, einer alten Sprache Indiens. Ganz allgemein kommen in der malaiischen Sprache viele Lehnwörter aus dem Sanskrit vor, weil früher vor allem in religiösen Dingen ein reger Kontakt mit Indien bestand. Surya ist denn auch im Hinduismus der Gott der Sonne, wie man z.B. hier in Wikipedia nachlesen kann.

Und hier wird es interessant: Sanskrit und Deutsch sind als Sprachen über ein paar Ecken verwandt, denn beide gehen schlussendlich auf eine gemeinsame Ursprache Indoeuropäisch zurück. (Mehr hierzu z.B. hier.) Das deutsche Wort Sonne und Sanskrit surya haben deshalb einen gemeinsamen Ursprung in einem indoeuropäischen Wort suwen. (Diese Information findet man in einem etymologischen Wörterbuch wie etwa diesem hier, auf Englisch, was aber in unsererm Fall keine Rolle spielt, weil natürlich auch das englische Wort sun denselben Ursprung hat.)

Hier ist also der erwähnte Zusammenhang zwischen Malaiisch und Deutsch, mit Indien, Sanskrit und Indoeuropäisch als Zwischenstationen!

August 22, 2010 Posted by | Uncategorized | , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Vornamen-App

Als Autor einer Software zum Thema Vornamen schaue ich immer wieder gerne mal, was die Konkurrenz denn so macht. Und da ich mich auch für Smartphones und die „mobile Revolution“ ganz allgemein interessiere, konnte ich nicht widerstehen, als die iPhone App Vornamenlexikon zum Aktionspreis von 79 Cents (anstatt 2.99 Euro) angeboten wurde, und kaufte mir dieses Programm.

Es handelt sich um eine Datenbank von rund 10’000 Vornamen, in der man per Buchstaben am Anfang (und somit auch mit dem Namen als Ganzes), per Buchstaben am Ende, per Anzahl Buchstaben und per Herkunft suchen kann. Zu jedem Namen sind Informationen betreffend Herkunft und Bedeutung vorhanden. Namen, die einem gefallen, hält man in einem eingebauten Merkzettel fest. Und schliesslich kann man noch einen Familiennamen hinterlegen, um sich anzuschauen, wie denn ein bestimmter Vornamen mit diesem Familiennamen zusammen geschrieben so wirkt. Die Screenshots hier vermitteln einen Eindruck der Funktionalität.

Das Resultat meines Tests: 10’000 Vornamen sind eine ganze Menge, die Informationen dazu scheinen mir solide und von einer guten Quelle her sauber lizenziert, die Suche funktioniert und ist sehr schnell. Insgesamt eine runde Sache.

Und trotzdem kommen mir fast die Tränen beim Anblick des Programms.

Das Schlimmste ist der Preis. Es ist ein absolut üblicher Preis für eine iPhone-App – aber genau dieser „übliche Preis“ ist das Problem. Man mag sich als Kunde freuen, eine solche Software für 3 Euro oder zum Aktionspreis sogar für unter 1 Euro erwerben zu können, aber das rechnet sich nicht für den Anbieter. Die überwiegende Anzahl von Anbietern von iPhone-Apps macht massiv rückwärts.

Es wird sehr interessant sein zu beobachten, wie sich das auf die Dauer auswirkt: Werden Apps für immer auf einem bescheidenen Niveau verharren, was den Umfang ihrer Funktionalität angeht, weil es sich einfach nicht rechnet, mehr als ein absolutes Minimum an Entwicklungsaufwand hineinzustecken? Oder werden sich die Preise deutlich nach oben entwickeln, wenn der grosse Hype etwas abgeklungen ist und auch App-Programmierer merken, dass sie Dinge nicht auf Dauer verschenken können? Oder wird das iPhone sogar eine kommerzfreie Zone, was Apps anbelangt, in der wie bei Open Source nur erhältlich ist, was irgendjemandem so Freude gemacht hat beim Programmieren, dass er es verschenkt (und eben nicht zu haben ist, was zu bauen keinen Spass macht)?

Und dann ist da noch der Funktionsumfang des Programms. Wie gesagt, gut haben die Autoren nicht mehr reingesteckt, sonst wäre der finanzielle Verlust noch grösser, aber du meine Gute – all die verschenkten Möglichkeiten! Das iPhone ist ein vollwertiger Computer, in dem mehr Power steckt als in einem Desktop-Rechner von vor etwa 10 Jahren. Was man damit alles für faszinierende Programme bauen könnte, auch gerade zum Thema Vornamen! Ich darf gar nicht beginnen mit brainstormen, sonst werde ich nie mehr fertig mit diesem Blogeintrag…

Juli 9, 2010 Posted by | Uncategorized | 1 Kommentar

Hadburga ans Telefon bitte

Es gibt eine unglaubliche Menge deutscher Namen, an denen eigentlich alles in Ordnung ist, bis auf die Tatsache, dass heute kaum mehr jemand so heisst: Es sind Namen, die zum Teil schon vor 100 Jahren so aus der Mode waren, dass damals höchsten noch die Grossmutter so hiess.

Die Menge dieser Namen machte mir beim Aufbau meiner Vornamen-Datenbank schwer zu schaffen, denn ich konnte einfach nicht alle bewältigen. Ich versuchte mich deshalb auf Namen zu konzentrieren, die in Frage kommen für Kinder, die heute geboren werden, oder die zumindest heute noch eine nennenswerte Verbreitung unter lebenden Personen haben. Ich prüfe bis heute jeden neu angetroffenen Namen schnell per Google und sehe mir die Suchresultate kritisch an.

Bei der Prüfung von Namen wie Hadburga, Otlinde, Erkentraud, Fraukeline oder Richhilde stiess ich auf eine lustige Sache, die ich weitergeben möchte: Eine Schweizer Website, auf der Frauen „bestimmte“ Dienste anbieten, fand sich fast konstant irgendwo unter den Suchresultaten bei solchen Namen. Es scheint sich da jemand einen Spass daraus gemacht zu haben, bei der Vergabe von Pseudonymen für die hübschen Damen auf einen grossen Schatz guter alter deutscher Namen zurückzugreifen.

Einen Link zu besagter Website gibt’s hier nicht, der wäre mir auch zu heikel, aber Sie wissen ja nun, wie Sie bei Bedarf hinfinden…

Eine etwas ernstere Sache ist mir dabei auch aufgefallen: Einige Vornamen-Websites für deutsche Namen scheinen sich wenig Mühe gemacht zu haben, zu einem einigermassen modernen Vornamen-Bestand zu kommen, und die angebotenen Informationen lassen oft nicht erkennen, wie „aktuell“ einzelne Namen sind.

Natürlich möchte man gelegentlich wissen, was der Name der Ururgrossmutter bedeutet, auf den man bei der Ahnenforschung gestossen ist. Bei vielen dieser Websites sieht man allerdings schon an der ganzen Aufmachung, dass sie sich primär an werdende Eltern wenden. Diese der Gefahr auszusetzen, einen Vornamen zu erwischen, der für ein mittelalterliches Burgfräulein prima gepasst hätte, aber heute wohl dazu führt, dass das Kind in der Schule wegen seines Namens gehänselt wird, finde ich eigentlich nicht so toll.

Juni 18, 2010 Posted by | Uncategorized | , | Hinterlasse einen Kommentar

Kimberley

Ich habe vor, hier in lockerer Folge über Namen zu berichten, die eine besonders interessante Herkunftsgeschichte haben, und beginne mit Kimberley.

Kimberley war vor einiger Zeit ein ziemlich beliebter Vorname für weibliche Neugeborene in den USA; die Variante Kimberly steht z.B. in der US-Gesamt-Hitparade der Jahre 1980 bis 1989 auf Platz 18.

Der Vorname geht zurück auf die gleichnamige Stadt in Südafrika, über welche man z.B. hier Informationen findet. Kimberley ist in dieser Hinsicht kein Spezialfall, denn es kommt recht oft vor im Englischen, dass man irgendeinmal damit beginnt, den Namen eines Ortes als Vorname zu verwenden; ich habe fast 200 solche Namen in meiner Datenbank.

Nun kann man natürlich weitergehen und sich fragen, woher denn die Stadt ihren Namen hat. Das ist bekannt: Sie wurde 1870 nach einem gewissen John Wodehouse benannt, dem 1. Earl of Kimberley (1826-1902). Man findet Informationen über das britische Adelsgeschlecht der Kimberleys z.B. hier.

Die nächste Frage dürfte klar sein: Woher haben diese Adligen ihren Namen? Von einer Stadt in Norfolk, England, über die es diesen kurzen englischen Wikipedia-Eintrag gibt.

Und ja, die Herkunft des Namens der Stadt ist ebenfalls bekannt: Er setzt sich zusammen aus dem Vornamen Cyneburga und dem altenglischen Wort leah, das man wahlweise als Wald, Wiese oder Lichtung übersetzen kann. Man kommt so schliesslich zu einer möglichen Bedeutung von Cyneburgas Wiese für Kimberley.

Und Cyneburga oder auch Cyneburg? Das ist ein zweigliedriger angelsächsischer Name, der sich aus den altenglischen Wörtern cyne und burga zusammensetzt, beides Wörter, die indoeuropäische Wurzeln haben und darum mit den deutschen Wörtern königlich und Burg etymologisch verwandt sind.

Juni 4, 2010 Posted by | Uncategorized | | Hinterlasse einen Kommentar

Unschreibbare Namen

Die Geschichte, welche dieser Blog-Eintrag erzählt, beginnt mit dem russischen Wort für Hoffnung, das in Russland zugleich als weiblicher Vorname in Gebrauch ist, weshalb das eine Geschichte ist, die zu einem Blog über Vornamen passt.

Ich würde nun gerne dieses russische Wort für Sie hinschreiben, aber das geht nicht, weil ich hier lateinische Buchstaben verwende, die Russen aber kyrillische Buchstaben, und das seit Jahrhunderten. Strenggenommen kann man kein einziges russisches Wort so schreiben, dass es jeder hier in Europa einfach so lesen kann, also auch Hoffnung nicht. In gewisser Weise sind also, wie es der Titel meines Blog-Eintrags etwas provokant behauptet, Wort und somit auch Name „unschreibbar“ für uns.

Mittlerweile sind Computer ziemlich international, und mit etwas Glück kann Ihrer das entsprechende kyrillisch geschriebene Wort, nämlich надежда, auch darstellen, so dass Sie es sich zumindest einmal anschauen können. Auf dieser Wiktionary-Seite können Sie sich das Wort auch anhören, als kurzes Audio-Schnippsel.

Man kann natürlich das, was man hört, wenn jemand aus Russland dieses Wort ausspricht, durchaus in lateinischen Buchstaben aufschreiben. Schreiben wir also etwas hin, was ein Sprecher von Deutsch in etwa so lesen und aussprechen würde, wie es jemand in Russland tut, wenn er надежда vorliest, und landen so bei Nadjeschda. (Mehr zu solchen „Schreibübungen“ findet man unter dem Stichwort Transkription z.B. hier.)

Nadjeschda scheint den Leuten gefallen zu haben, und man hat in Deutschland irgendwann einmal begonnen, den russischen Vornamen so geschrieben ebenfalls zu verwenden. Noch erfolgreicher war allerdings Надя, was in Russland eine Kurzform des Namens ist und was man in Deutsch üblicherweise als Nadja umschreibt.

Also alles bestens? Nicht ganz. Schon im Deutschen ist man sich mit der Umschreiberei nicht ganz einig, denn neben Nadjeschda gibt es auch noch den Namen Nadeschda, und Nadja gibt es auch als Nadia.

Richtig lustig wird es aber, wenn wir die Sprache wechseln. Nicht nur den Deutschen, sondern auch den Engländern und Amerikanern hat der Name gefallen. Sie schreiben allerdings etwas anderes dafür, nämlich Nadezhda. Sprecher von Englisch lesen eben anders, und wenn die unser Nadjeschda zu lesen versuchen, kommt wohl nichts Brauchbares heraus, aber die Buchstabenkombination zh in Nadezhda werden sie höchstwahrscheinlich wie gewünscht als „sch“ wiedergeben. Im Detail findet man diese englische Transkription hier dargestellt.

Mai 21, 2010 Posted by | Uncategorized | | Hinterlasse einen Kommentar

Dreimal Hits auf Deutsch

Als ich damit begann, mich mit Vornamen-Hitparaden zu beschäftigen, hatte ich die Erwartung, dass es zwischen Deutschland, Österreich und dem deutschsprachigen Teil der Schweiz grosse Übereinstimmungen gibt. Ich nahm an, es habe sicher einen grossen Einfluss darauf, welche Namen gerade „in Mode“ sind, dass man in diesen 3 Ländern bzw. Gebieten eine gemeinsame Sprache spricht, häufig dieselben Bücher liest, dieselben Serien sieht im Fernsehen und dieselben Filme im Kino, usw.

Ich war deshalb sehr überrascht, als ich zum ersten Mal die jeweils beliebtesten Vornamen für Neugeborene eines Jahres miteinander verglich, und grosse Unterschiede vorfand: Bei gewissen Namen schien man sich in deutschsprachigen Landen überhaupt nicht einig zu sein, ob sie gerade „cool“ seien oder eben nicht!

Für die folgenden Beispiele greife ich für Deutschland nicht auf die „offizielle“ Hitparade zurück, die man hier findet, weil diese erstens nur die 10 Top-Namen listet und zweitens mit einem methodischen Mangel behaftet ist, den ich in meinem Blog-Eintrag Wo sind all die Marias? erläutert habe. Stattdessen greife ich auf diese Liste zurück, welche beide Probleme nicht hat. (Ich bedanke mich beim Autor Knud Bielefeld für die Erlaubnis, diese Liste hier zu verwenden und in Auszügen wiederzugeben.)

Also: 2008 stand Tobias in Österreich auf Platz 2, in Deutschland aber nur auf Platz 45, und in der Deutschschweiz schaffte er es nicht unter die ersten 50. Oder umgekehrt: Finn, die Nummer 5 Deutschland 2008 (zusammen mit Fynn), schaffte es in der Schweiz gerade mal auf Platz 47, und in Österreich fand er sich nicht unter den ersten 60.

Folgende Liste vergleicht die Platzierungen der 20 beliebesten deutschen Mädchennamen des Jahres 2008 mit denjenigen in der Deutschschweiz (Spalte CH) und Österreich (Spalte AT. Eine positive Zahl bedeuten, dass der Name in Deutschland höher platziert ist, also z.B. Mia in Deutschland 34 Ränge höher als in Österreich. Eine negative Zahl bedeutet entsprechend, um wieviel tiefer der Name in Deutschland platziert ist. Ein Strich bedeutet, dass der Name nicht unter den ersten 60 österreichischen oder den ersten 50 deutschschweizer Namen zu finden ist. (Gerade die hohe Anzahl Striche ist für mich erstaunlich.)

Die in der Hitparade für Deutschland zusammengefassten Namen, welche die beiden anderen Hitparaden als separate Namen aufführen und zählen, sind mit Buchstaben im Rang gekennzeichnet.

Rang DE Name CH AT
1 a Hannah 3
1 b Hanna
2 a Leonie 2 -1
2 b Leoni
3 a Lea 7 10
3 b Leah
4 Lena -2 1
5 Mia 8 34
6 Anna 1 -3
7 a Emilie
7 b Emily 18
8 Lara -7 2
9 Laura -4
10 a Sarah 2 -8
10 b Sara -7
11 Emma 18 8
12 a Lilli
12 b Lilly 34
12 c Lili
13 Marie 2
14 Lina 7 39
15 a Maja 42
15 b Maya
16 Johanna -5
17 a Sophie 1 -10
17 b Sofie
18 a Nele
18 b Neele
19 a Sophia 7 -2
19 b Sofia 18
20 Amelie 4

Wer selbst etwas weiter vergleichen möchte, findet die Listen für Österreich hier, und diejenigen für die Schweiz hier.

Mai 16, 2010 Posted by | Uncategorized | , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Kämpft Kunigunde für ihre Sippe?

Zahlreiche deutsche Namen wurden durch Zusammenfügen zweier Wörter gebildet. Bei Kunigunde z.B. waren das die beiden althochdeutschen Wörter kunni = „Sippe“ und gund = „Kampf“. Man nennt solche Namen zweigliedrige oder mit Fachbegriff auch dithematische Namen.

Wie dieser Artikel (leider ohne Quellenangabe) beschreibt, geht dieses Namensbildungs-Muster über das Deutsche hinaus und kommt in vielen indoeuropäischen Sprachen vor. So ist etwa der russische Wladimir ebenso ein zweigliedriger Name.

Lange Zeit wurden die beiden Wörter so gewählt, dass die Zusammensetzung wiederum einen bestimmten Sinn ergab. Wie man hier über den Namen Ludwig nachlesen kann, sollen wahrscheinlich seine beiden Bestandteile hlut = „berühmt“ und wig = „Kampf“ tatsächlich die Aussage machen, dass der Namensträger „im Kampf berühmt“ oder „durch Kampf berühmt“ sei.

Aber irgendwann einmal waren den Leuten Bedeutungen nicht mehr so wichtig (oder sie verstanden die Bedeutung der teilweise uralten Namensbestandteile gar nicht mehr), und sie kombinierten nach anderen Kriterien, z.B. dem Klang des resultierenden Namens.

Es ist darum bei einem zweigliedrigen Namen wie Kunigunde sehr schwierig bis unmöglich, mit Sicherheit zu beurteilen, ob nun die beiden Namensbestandteile zusammen einen Sinn ergeben sollen (hier dann wohl „Kämpferin für ihre Sippe“, wie z.B. diese Vornamen-Website angibt), oder ob einfach jemand fand, Kunigunde töne noch gut, Sippe und Kampf hin oder her.

Viele Werke über Vornamen, z.B. auch der Vornamen-Duden, geben nur bei klarer Informationslage eine Bedeutung der Zusammensetzung (Wolfgang = „Wolfsgänger“, d.h. Krieger in Tierverkleidung), lassen sich aber sonst nicht auf die Äste hinaus und geben einfach die beiden Namensbestandteile an.

Wenn Sie auf der Suche nach einem Namen für Ihr Kind sind und einen zweigliedrigen Namen in Betracht ziehen, ist es darum vielleicht keine gute Idee, sich allzu sehr auf eine beeindruckende „Bedeutung“ abzustützen, denn diese könnte sprachgeschichtlich gesehen ein reines Phantom sein.

Mai 9, 2010 Posted by | Uncategorized | | 1 Kommentar